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StartseiteInterview 20.07.05   13:57 Uhr

Interview mit Besh o droM

Besh o droM sind die Shooting Stars der ungarischen Folkszene. Die Musiker um die beiden Bandgründer Gergö Barcza und Ádám Pettik sind erst Mitte zwanzig und so was wie die abtrünnigen Kinder der Tanzhausgeneration.
Interview mit Besh o droM Denn sie spielen zwar zunehmend auch ungarische Lieder, doch der Schwerpunkt von Besh o droM liegt unüberhörbar auf bläserstarken Balkantunes. Anarchistisch-intelligente Arrangements, die bei ungarischen Folkpuristen schon mal auf Ablehnung stoßen, dominieren auch ihre Debüt-CD „Macsó Hímzés“. Dafür strömt in ihre Konzerte, ob im Budapester Club Tutu Tango oder auf dem englischen Glastonbury Festival, ein ganz junges Publikum, das solche Art von Highspeed Balkanfolk bisher nur aus Kusturica-Filmen oder von der rumänischen Fanfare Ciocarlia kannte. Welchen Sound Akkordeon, Hackbrett und Geige gemeinsam mit Saxophon, Trompete, Klarinette, Djembe, Wasserkanne und Gitarren erzeugen können, davon kann sich das Publikum beim Auftritt von Besh o droM beim diesjährigen Tanz&Folkfest Rudolstadt „live“ ein Bild machen.

Grit Friedrich hat in Budapest mit den Bandgründern Gergö Barcza und Ádám Pettik gesprochen.

Gergö, du kommst vom Jazz, warst lange im Ausland, warum kam gerade dort die Idee für eine eigene Band auf?

Gergö Barcza: Als ich sehr jung war, wollte ich Jazzmusiker werden. Ich besuchte sogar die Jazzakademie in Jerusalem, aber habe sie nicht beendet Jazz war doch nicht das Richtige für mich. Aber in Israel habe ich das Konzept für Besh o droM gefunden. Mit Jazz hat diese Band nicht sehr viel zu tun, wir spielen aber auch keine authentische Musik. Wir behandeln das, was wir finden, einfach als Rohmaterial, um dieses Gerüst herum wird dann improvisiert. Die meisten Arrangements entstehen in den Konzerten, wir haben kaum Proben, aber von Show zu Show wird es besser. Am Anfang spielte ich nur mit meinem Schwager Ádám Pettik, unserem Percussionisten, und einem anderen Saxophonspieler. Das sprach sich rum und wir wurden immer mehr Leute, jetzt sind wir elf oder zwölf. Wir wollten besondere Instrumente in der Band wie Cimbal, Bassgitarre und eine Bläsersektion, Instrumente, die nicht gerade typisch sind in der ungarischen Volksmusik, aber gut in unsere Klangvorstellung hineinpassten.

Und wie ging's dann weiter?

Ádám Pettik: Die Band ist sehr schnell bekannt geworden, besonders hier in der heimischen Szene. Drei, viermal haben wir in auf einem Sommerfestival gespielt und dadurch stieg die Nachfrage. Dann wollten wir eine Live-CD machen, weil wir eine „Live“-Band sind. Aber die Idee haben wir auch aus finanziellen Gründen fallen gelassen. Wir spielen auf „Macsó Hímzés“ auch nicht dasselbe Material wie in unseren Konzerten, denn die Leute wollen zu Hause ja eher selten tanzen, wenn sie eine CD einlegen.

Euer Markenzeichen sind kraftvolle Balkanklänge. Wie kommen die in euer Repertoire?

Gergö Barcza: Als ich jung war, habe ich überhaupt keine Folkmusik gehört, heute besitze ich eine riesige Plattensammlung mit Balkanmusik, und auch meine Kinder hören das den ganzen Tag. Für die ist das Alltag. Man muss heute nicht mehr über die Dörfer ziehen, wenn man eine gute ungarische Dorfkapelle wie die Szászcsávás Band aus Siebenbürgen hören will, denn es gibt immer mal wieder Konzerte in Budapest. Freunde bringen uns türkische, bulgarische, mazedonische oder rumänische Kassetten mit. Mit diesen Aufnahmen haben wir nur das Problem, dass man nicht sagen kann, was ist arrangierte und was ist „reine“ Volksmusik. Wir können mit jedem 20. Titel etwas anfangen, stellen unser Material zusammen und wir beginnen zu arbeiten.

Ádám Pettik: Ich habe Mitte der Neunziger mal in der Band Tükörország (Mirrorland) gespielt, und gerade habe ich in einer Musikzeitschrift gelesen, dass wir so eine Art Balkanrock gespielt hätten. Das ist jetzt ganz modern geworden, aber ich habe das auch schon gehört, bevor ich diesen Kusturica-Film gesehen habe.

Trotzdem spielt ihr aber auch zunehmend Ungarisches ...?

Gergö Barcza: Oft werden wir kritisiert, weil wir so wenige ungarische Stücke spielen, aber gerade für die muss man technisch sehr gut sein. Jetzt haben wir zum Beispiel ein ungarisches Lied, bei dem wir den asymetrischen Rhythmus in einen 11/8 Rhythmus übertragen haben und dass passt wunderbar zum Text und der Stimmung des Liedes. Dann haben wir noch eine Hirtenmelodie aus der Moldau bearbeitet, wo es ganz archaische ungarische Musik gibt.
(Verantwortlicher Redakteur: Martin Lendt)
Quelle: Magazin Folker! Artikel drucken

 

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