Im brechend vollen Saal feierte das Publikum die bestens aufgelegten Jubilare – Jörg Ermisch, Anselm Noffke und Wolfgang ‚Hein' Rieck. Die ließen sich denn auch nicht lumpen und griffen – unter Beihilfe der Ex-Liederjane Rainer Prüss und Eddi Wagenaar – runde drei Stunden ins pralle Repertoire. Bis man sich dann schließlich im Obergeschoss zu Bier und leichtem Imbiss wiederfand. An ein Interview war zu diesem Zeitpunkt so richtig nicht mehr zu denken. so dass das Gespräch mit den Jubilaren dann auch erst ein paar Wochen später zustande kam.
Anselm, Jörg, Wolfgang – wie schillert im Rückblick des Festtages Glanz?
Nach all den Vorbereitungen: Freude über eine gelungene Fete und Freude darüber, dass so viele von den alten Pappnasen von zum Teil weither angereist waren. Die Zuneigung, die uns entgegen gebracht wurde, war einfach umwerfend.
Bis zur goldenen Hochzeit streckt sich's ja dann doch noch ein bisschen.
Warum so kleinmütig? Wir planen bereits für die diamantene.
Sicherlich peilt man keine derartigen Jahrestage an, wenn man im juvenilen Überschwang ein musikalisches Unternehmen gründet. Aber wann schwante Euch das erste Mal, dass ihr keine Ex-und-hopp-Boygroup seid?
Das mit der Boygroup hatte sich bald erledigt, weil Jochen bei den Tanzschritten immer auf die Schnauze flog. Nein, im Ernst: Dies war immer unser Traumjob. Die Wirrtuosen. Das musste einfach klappen. Wenn wir heute irgendwelche Büropinguine (sorry, Freunde!) herumgeistern sehen, nicken wir uns zu und sind uns einig: Die Entscheidung war richtig.
Wie habt ihr die Evolution von der jugendlichen Anarchie ins, gelinde gesagt, seriöse Fach erlebt?
Auch wenn früher manches in den Konzerten viel chaotischer ablief und Anselm häufig auf Socken die Bühne betrat, war es, wenn man es genau betrachtet, eigentlich eher umgekehrt. Wir waren – bei allem Witz – damals doch sehr viel ernsthafter. Wir wollten doch die staunende Welt mit dem wahren Volkslied beglücken, den Heinos, Hellwigs und den anderen Stadelmutanten die Zuschauer wegnehmen. Und das anarchische Moment in den Texten ist heute viel ausgeprägter.
Es kann nicht ausbleiben, dass einem anlässlich von Jubiläen die Vergangenheit vorgeworfen wird. Liederjans Wurzeln lagen dereinst ja in der Combo Tramps & Hawkers, die – was sonst? – Irisches spielte. Damals das obligate Entrée in die bunte Welt der Folklore?
So war's. Haargenau! Die Iren hatten genau das, was wir im Grunde immer gesucht hatten: die wunderbaren Melodien, die Texte, die von Rebellion, Liebe und Saufen erzählten, frisch, schwungvoll und grad' heraus. Wir haben viel von ihnen gelernt.
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